ist paydirekt eine Alternative zu PayPal oder ein Mega Flop

Sollten Sie in Ihrem WooCommerce Shop paydirekt anbieten?

Vielleicht wurden Sie von Ihrem Bankberater schon auf paydirekt, dem gemeinsamen deutschen Online-Bezahlverfahren angesprochen? Während Privatbanken sowie die Volks- und Raiffeisenbanken bereits im November 2015 offiziell paydirekt anboten, sind die Sparkassen erst seit April komplett vertreten.

 

Welche Vorteile bietet paydirekt?

Als wichtiges Argument verspricht paydirekt mehr Sicherheit im Online Handel. Auf der Website von paydirekt wird das Thema für Händler kurz angesprochen. Wenn Sie keine EDV-Experte sind, werden Sie wahrscheinlich nur Bahnhof verstehen.

Sicherheit bei Zahlungen bietet PayPal genauso, also wo ist der Vorteil? Aus der Website erschließt sich mir kein Grund, warum ich paydirekt in einem WooCommerce Shop anbieten soll.

 

Kosten für paydirekt

Hier wird es geheimnisvoll. Weder paydirekt noch die beteiligten Banken und Sparkassen geben online Auskunft über Gebühren. Hier heißt es immer, sprechen Sie mit Ihrem Berater. Das Ganze macht den Eindruck eines türkischen Basars. Wer mit seinem Berater gut handeln kann, bekommt gute Konditionen, die anderen haben die Ar…karte.  Diese Gebührenstruktur ist nicht etwa eine Maßgabe des Bundeskartellamtes, sondern der Vorschlag der 23 beteiligten Banken gewesen.

Allein die variablen Gebühren sollen bei paydirekt zwischen 1 und 1,6 Prozent liegen, dazu kommen nochmal Transaktionsgebühren rund um die 35 Cent. Für die Händler ist es damit zu teuer. Die beteiligten Banken haben dagegen 100 Millionen Euro in paydirekt investiert und sehen diese Investitionen bei niedrigen Gebühren in Gefahr.

PayPal verlangt zwar 1,1 Prozent, doch dieser Anbieter hat mit 17 Millionen Kunden den deutlich größeren Kundenstamm.

Kosten für Schnittstelle zwischen WooCommerce und paydirekt

Während Sie bei WooCommerce bereits eine Schnittstelle für PayPal integriert haben, muss diese für paydirekt erst integriert werden.

Für das WooCommerce Shopsystem wird auf einen externen Anbieter „sellxed.com“ verwiesen. Dieser bietet die Schnittstelle für 172,– € an. Diese Kosten fallen jährlich an, zusätzlich zu den anderen Gebühren. Dies ist für große Händler wahrscheinlich kein Thema, bei kleineren Händlern ist dies der nächste Grund, paydirekt nicht anzubieten.

Die Volks- und Raiffeisenbanken bieten zwar eine kostenlose Schnittstelle an, die Beschreibung ist allerdings Englisch und die Schnittstelle für WooCommerce 2.4 ausgelegt. WooCommerce ist aber bereits bei Version 2.6. Hier läuft die Schnittstelle nicht. Außerdem ist die Integration mehr als abenteuerlich. Per ftp werden WooCommerce Daten überschrieben. Beim nächsten Update der Shop Software geht der Spaß wieder von vorne los.

 

Welche Händler bieten paydirekt bereits an?

Auf der Website von paydirekt werden stolz die beteiligten Händler präsentiert. Allerdings sind dabei kaum namhafte Anbieter dabei. Dies spiegelt sich auch in den Transaktionszahlen von paydirekt wieder. Die Sparkassen sollen 450 Transaktionen pro Woche abwickeln. Zum Vergleich: Branchenführer PayPal wickelt 270 Transaktionen ab – aber jede Sekunde.

Hanno Bender, Autor des BargeldlosBlogs und profunder Kenner der Szene, twitterte dass diese Transaktionszahl von paydirekt auch geeignet wäre, den Bedarf der Sparkassen Besprechungsräume mit Haribo zu decken. In Anspielung auf die Tatsache, dass der erste prominente Händler von paydirekt der Online-Webshop von Haribo war.

 

Magere Bilanz nach einem Jahr

Auch wenn jetzt kräftig geworben wird – insbesondere mit der Sicherheit und dem deutschen Datenschutz – die Bilanz nach einem Jahr ist mager: Nur gut eine halbe Million Deutsche haben sich bislang registriert. Diese zahlen aber nur selten damit. Kein Wunder: denn nur rund 140 Händler akzeptieren paydirekt. Internetgrößen wie Amazon, Deutsche Bahn, Rewe, Tui, Adidas, Karstadt und Zalando gehören nicht dazu.

Bisher, so scheint es, kommen die Kunden und die Händler ganz gut ohne paydirekt aus. Ob es paydirekt noch schafft, sich als Online-Bezahlverfahren zu etablieren und 50 Prozent Marktanteil erobern können, ist mehr als fraglich, zumal die mobilen Bezahlverfahren auch hierzulande Einzug halten werden. Hier haben die deutschen Banken und Sparkassen derzeit noch nichts im Angebot, jedenfalls nichts, was als echte Konkurrenz zu Apple Pay oder Samsung Pay gelten könnte. Die Girocard kontaktlos soll in den kommenden zwei Jahren breitflächig eingeführt werden, wie es in Kontaktloses Bezahlen in Deutschland – eine Bestandsaufnahme heißt.

Auch unter den einzelnen Banken knirscht es kräftig. So heißt es bei der Sparkasse unter vorgehaltener Hand, dass sie die einzigen Investoren seien, die eine „millionenschwere“ Werbekampagne führen. „Gibt es überhaupt ernsthafte Werbung der anderen Investoren?“ fragt einer provokant. Außer Broschüren und Aushängen habe er noch nicht viel gesehen. Geht die deutsche Kreditwirtschaft nicht bald gezielt vor, wird man die wohl auch bald nicht mehr brauchen.

paydirekt und Online-Händler

Die Bereitschaft der großen Händler, ihren Kunden Paydirekt als weitere Bezahlmöglichkeit anzubieten, ist nach wie vor gering. Für WooCommerce Shops sind die Kosten einfach zu hoch. Auch hört man öfter, dass das Auftreten von Paydirekt den Händlern gegenüber hin und wieder von „höfischen“ Attitüden geprägt ist. Es ist wohl noch nicht überall angekommen, dass den Händlern und Kunden genügend Alternativen zur Verfügung stehen.

Fazit:

Im Augenblick gibt es keinen vernünftigen Grund, warum Sie paydirekt in Ihrem WooCommerce Online Shop anbieten sollten.

Bei teilnehmenden Händlern heißt es immer öfter: Außer Spesen nichts gewesen.

Background für news modul von seowebb in Mittelfranken

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